Wirtschaft

Telekom greift Netflix mit Deutschland-Plattform an

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Die Deutsche Telekom lässt nun auch Nutzer in ihr Internet-Fernsehen, die den Online-Anschluss bei der Konkurrenz haben. Mit Hilfe von ARD und ZDF baut sie eine eigene „Megathek“. Das dürfte vor allem „Tatort“-Fans freuen. 0

Die Deutsche Telekom weitet ihr TV-Angebot aus. Ab sofort sollen auch Nicht-Telekom-Kunden auf die Fernsehplattform der Telekom zugreifen können. Das neue Paket heißt künftig MagentaTV und besteht aus 75 Sendern, davon 45 Sender in der hohen HD-Auflösung.

Darüber hinaus stellt die Telekom ihren Magenta-TV-Nutzern eine Videothek mit der Bezeichnung „Megathek“ zur Verfügung, die mehr als 10.000 Titel enthält. Wegen einer exklusiven Partnerschaft mit ARD und ZDF erhalten Nutzer Zugriff auf Inhalte, die bislang immer nur für einen begrenzten Zeitraum in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender standen.

Mehr als 8000 Titel, darunter Sendungen wie „Polizeiruf 110“ und Ku’damm 56“, sind nun ohne zeitliche Begrenzung abrufbar. Zudem enthält die Mediathek nach Angaben der Telekom das größte „Tatort“-Archiv mit etwa 200 Folgen. Weitere 200 Folgen sollen schrittweise hinzukommen.

„Wir sind die Deutschland-Plattform für Video-Inhalte“, sagte Michael Hagsphil, Chef des Telekom-Privatkundengeschäfts. Neben den ARD- und ZDF-Inhalten stehen in der Megathek weitere Serien, darunter exklusive Titel wie „The Handmaid’s Tale“ und die Produktion „Deutsch-Les-Landes“ mit Christoph Maria Herbst zur Verfügung. Der Serienkatalog der Telekom umfasst 2500 Inhalte.

Konzern verhandelt mit Herstellern von Smart-TVs

Nach Angaben von Telekom-Manager Hagsphil will das Unternehmen auch in Zukunft in exklusive Inhalte investieren und möglicherweise neben Co-Produktionen auch eigene Produktionen beauftragen. Wie viel Geld die Deutsche Telekom dafür ausgeben wird, ist nicht bekannt. Nutzer würden exklusive Serien jedoch verstärkt abrufen. In den vergangenen zwölf Monaten sei dies mehr als zehn Millionen Mal geschehen, mit steigender Tendenz.

Mit den Sendern, die nun Teil von MagentaTV sind, habe die Telekom entsprechende Verträge abgeschlossen, um Komfortfunktionen nutzen zu können. Dazu zählen Timeshift, Restart und Replay, so dass Sendungen im Live-TV pausiert, während der Ausstrahlung von Beginn an abgespielt oder auch später begonnen werden können. Ausgenommen davon seien einige internationale Produktionen, für die Sender keine entsprechenden Rechte hätten.

Der Dienst lasse sich auch aus anderen europäischen Ländern abrufen, so dass Nutzer ihn auch auf Reisen verwenden könnten. Die Europäische Kommission hat das bisherige Geoblocking für Reisende in Europa abgeschafft.

MagentaTV lässt sich über eine App auf Apple- und Android-Smartphones und über Chromcast und einen Web Client aufrufen. Derzeit verhandelt der Konzern nach eigenen Angaben mit Herstellern, um den Dienst auch auf Smart-TV-Geräten und TV-Sticks vorinstallieren zu können.

Die Konkurrenz ist groß

Mit dem Vorstoß verschärft die Telekom den Wettbewerb um Fernsehkunden in Deutschland. MagentaTV soll 7,95 Euro monatlich kosten und auch monatlich kündbar sein. Damit konkurriert die Telekom direkt mit großen Anbietern wie Netflix und Amazon Prime Video. Auch Netflix verlangt für sein kleinstes Abonnement knapp acht Euro pro Monat.

Für die Telekom ist MagentaTV eine Möglichkeit, Kunden stärker an sich zu binden. „Unser Ziel ist es, jedem Kunden der bei uns ein Internet-Anschluss hat, ein Fernsehanschluss mitzuverkaufen“, sagte Hagspihl. Zugleich will die Telekom allerdings auch Nutzer von MagentaTV in Zukunft dazu bringen, auch den Internetanschluss bei der Telekom zu buchen. Voraussetzung ist das jedoch nicht.

Bisher bietet die Telekom ihr Internet-TV nur Nutzern an, die auch den Festnetzanschluss bei der Telekom haben. 3,3 Millionen Kunden konnte sie für Entertain TV gewinnen. Das Geschäft scheint zäher als erwartet. Ursprünglich wollte sie bis Ende des Jahres fünf Millionen Nutzer für sich gewinnen. Nun hofft der Konzern auf einen Wachstumsschub.

Die Telekom braucht zusätzliche Nutzer, um ihre Investitionen für exklusive Inhalte zu rechtfertigen. Nur so können sich die hohen Ausgaben für eigene oder exklusiv eingekaufte Produktionen lohnen. Das Internet-TV-Angebot für Telekom-Festnetzkunden ist deutlich umfangreicher als das neue Paket für Nicht-Kunden. Dort sind etwa 300 TV-Sender und mehr als 100 HD-Kanäle über eine eigene Settop-Box verfügbar. Auf seiner Plattform hat die Telekom auch die Angebote von Netflix, Amazon und Sky eingebunden.

„Die Nutzerzahlen sind höher als erwartet“ Das Video konnte nicht abgespielt werden.
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