Wissen und Technik

Exzellenz darf auch fehlbar sein

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Die Skandale einzelner Forscher dürfen nicht einer Universität als Ganze angelastet werden. Diese müssten aber deutlicher reagieren, meint unser Kolumnist.

Unser Kolumnist George Turner, Berliner Wissenschaftssenator a.D..

Wegen der marktschreierischen und dazu noch inhaltlich falschen Ankündigung von Erkenntnissen, die ein Bluttest ergeben soll, ist die Universität Heidelberg ins Gerede gekommen. Nun wird spekuliert, ob womöglich der Exzellenzstatus gefährdet sei. Ein solch verengter Blick nimmt nicht wunder, ist er doch bei Entscheidungen in der Exzellenzstrategie Methode – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Die positive Bewertung von zwei Clustern reicht, um in die Endrunde zu gelangen.

Das ist ebenso zu punktuell gesehen wie es wäre, wenn das Vergehen einzelner Wissenschaftler eine Hürde darstellte. Im Übrigen müssten sich dann auch andere Universitäten Sorgen machen. Freiburg hatte ein veritables Problem wegen der Verstrickung in Dopingmachenschaften beim Radsport; die Humboldt-Universität hat nicht nur einen Mitarbeiter mit Stasi-Vergangenheit eingestellt, sondern sich auch bei dem Versuch, sich von ihm zu trennen, mehr als dilettantisch verhalten. Im ersten Fall ist einzelnen Wissenschaftlern Fehlverhalten vorzuwerfen, im zweiten war die Hochschulleitung zuständig, immerhin letztlich verantwortlich für das Zukunftskonzept einer Universität. In diesen Fällen hat man aber zu Recht nur das einzelne Ereignis und die Betroffenen ins Visier genommen.

Leistungen der Mehrheit können leicht verdeckt werden

Weitere Schlussfolgerungen wurden nicht gezogen. Das darf in Bezug auf das Heidelberger Vorkommnis nicht anders sein. Kritischer könnte es bei der FU werden: Eine Doktormutter soll allzu großzügig bei der Annahme einer Dissertation vorgegangen sein. Immerhin ist sie als Sprecherin eines Exzellenzclusters eng mit dem Verfahren verbunden. Allerdings hat heute nahezu jede Universität solche Plagiatsfälle im Portfolio.

In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass ganze Universitäten in Misskredit gerieten, weil einzelne Vorkommnisse skandalös und empörend wirkten. Zu Zeiten des studentischen Aufbegehrens waren es vor allem die Universitäten in Bremen, Marburg und Heidelberg sowie die Freie Universität Berlin. Bis auf Marburg trugen oder tragen die anderen inzwischen den Exzellenztitel.

Das zeigt, dass punktuelle oder zeitlich begrenzte Exzesse leicht die Leistungen der Mehrheit verdecken können. Die wird zwar auch durch zwei hoch bewertete Cluster nicht ausreichend gewürdigt. Solche Störfeuer, wie sie Heidelberg derzeit erlebt, sind bedauerlich, letztlich aber unvermeidbar, weil auch ProfessorInnen ebenso wie andere Menschen fehlbar sind. Der Universität als Ganze darf das nicht angelastet werden. Dies allerdings wäre der Öffentlichkeit noch besser deutlich zu machen, wenn sich Hochschulleitungen vom Fehlverhalten einzelner Mitglieder distanzieren und selbst Sanktionsmaßnahmen ergreifen würden.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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