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Täter angeschossen und umstellt: Schüsse nahe Straßburger Weihnachtsmarkt – drei Tote

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Die Polizei sichert die Innenstadt.


In Straßburg eröffnet ein Mann nahe dem bekannten Weihnachtsmarkt das Feuer. Laut Frankreichs Innenminister kommen drei Menschen ums Leben, zwölf werden verletzt. Die Sicherheitskräfte sind im Großeinsatz. Sie gehen von einem Terroranschlag aus.

Ein als Extremist eingestufter Mann hat nahe des Weihnachtsmarkts im elsässischen Straßburg mindestens drei Menschen erschossen und zwölf weitere verletzt.. Das sagte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner. Zuvor war von zwei Toten ausgegangen worden. Die Sicherheitskräfte gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron berief eine Krisensitzung ein – mit Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Paris. Die Bundesregierung zeigte sich "erschüttert über die schreckliche Nachricht aus Straßburg". "Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten. Hoffentlich gerät niemand mehr in Gefahr."

Die Straßburger Polizeipräfektur erklärte, der Täter sei vom Inlandsgeheimdienst als Sicherheitsrisiko eingestuft gewesen. Über ihn sei ein sogenanntes "Fiche S" geführt worden. In dieser Kategorie werden rund 26.000 Personen geführt, von denen 10.000 als stark radikalisiert gelten, etwa durch salafistische Moscheen. Der französische Innenminister Christophe Castaner sagte, der Täter sei identifiziert und der Polizei wegen krimineller Aktivitäten bekannt.

Medienberichten zufolge wurde die Wohnung des 29-Jährigen am Vormittag durchsucht. Er sollte verhaftet werden, wurde aber nicht aufgefunden. Wie der Sender France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war der Mann jedoch nicht zu Hause. Demnach wird ihm versuchter Mord vorgeworfen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete mit Verweis auf Insider von einem Raub als Durchsuchungsanlass. Die Behörden sollen bei Durchsuchung Granaten gefunden haben.

Die Fahndung nach dem Mann konzentrierte sich am späten Abend auf den Stadtteil Neudorf. Er hat sich in einer Straße etwa zwei Kilometer südlich des Weihnachtsmarktes verschanzt. Eine Patrouille habe den Angreifer bei einem Feuergefecht angeschossen, teilte die Polizei mit. Sie habe ihn aber nicht an der Flucht hindern können.

Der französische Innenminister Christophe Castaner war in der Nacht in der elsässischen Metropole eingetroffen. Er habe mit dem örtlichen Präfekten und Sicherheitskräften die Lage erörtert, hieß es. Auch der Staatsanwalt von Paris, der in Frankreich für Antiterrorermittlungen zuständig ist, sei in Straßburg, sagte Castaner.

Grenzübertritt soll vermieden werden

Auf Twitter appellierte ein Mitarbeiter des Bürgermeisters an die Bewohner, zu Hause zu bleiben. "Danke an alle, die zu Hause bleiben und auf die Klärung der Situation warten", schrieb Alain Fontanel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron entsandte Innenminister Castaner nach Straßburg.

Die baden-württembergische Bundespolizei erklärte unter Verweis auf die Vorfälle in Straßburg, dass sie ihre Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich verstärken werde. "Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich Kehl", schrieben die Behörden auf Twitter. Sie begründeten dies mit der laufenden Fahndung nach dem Täter. Die grenzüberschreitende Straßenbahn zwischen Deutschland und Frankreich verkehrte demnach nicht.

Straßburg kennt Terror

Augenzeugen aus Straßburg berichten, gegen 20 Uhr seien mehrere Schüsse zu hören gewesen seien. Die Menschen in den Gassen hätten die Flucht ergriffen. "Wir haben mehrere Schüsse gehört, vielleicht drei, und dann haben wir Leute rennen sehen", sagte eine Augenzeugin. "Eine von ihnen ist gestürzt – ich weiß nicht, ob sie gestolpert ist oder getroffen wurde."

Der Straßburger Weihnachtsmarkt ist einer der ältesten und größten in Europa. Er zieht viele Besucher in die elsässische Stadt. Nach den Schüssen riegelte die Polizei auch das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg ab. Dort finden in dieser Woche Plenarsitzungen des Parlaments statt. Hunderte Abgeordnete und ihre Mitarbeiter halten sich deshalb in der Stadt auf. Wegen der polizeilichen Absperrung konnten Parlamentarier, Mitarbeiter und Journalisten das Gebäude am Abend zunächst nicht verlassen.

Frankreich ist in den letzten Jahren von einer Welle islamistischen Terrors überzogen worden. Seit Anfang 2015 starben rund 240 Menschen bei Anschlägen.

Auch der Straßburger Weihnachtsmarkt war bereits Ziel islamistischer Terroristen: Im Jahr 2000 wollten dort vier algerische Al-Kaida-Mitglieder zwischen Weihnachten und Silvester eine selbstgebaute Bombe zünden. Kurz vor der Tat wurden sie in Frankfurt am Main festgenommen.

 

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