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Projekt Icarus kann nicht starten

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Erneute Verschiebung, diesmal auf unbestimmte Zeit: Das Tierbeobachtungsprojekt Icarus muss weiter warten. Diesmal ist ein einzigartiger Rechner schuld.

Viele Sonnenflügel, aber keine Vogelflug-Forschung: Der Icarus-Computer auf der Internationalen Raumstation (ISS) kann nicht…

Erneut ist der für heute geplante Start des weltraumgestützten Beobachtungssystems Icarus verschoben worden. Dieses Mal haben offenbar die Ventilatoren des Icarus-Bordrechners, der im Oktober 2017 auf die Internationale Raumstation geflogen wurde, nicht funktioniert.

Im Januar 2018 war der Bordrechner getestet worden und hat nach Tagesspiegel-Informationen reibungslos funktioniert. Seither allerdings war dieser Computer nicht mehr in Betrieb. Der Bordrechner, der in fünfjähriger Arbeit am Bodensee entwickelt wurde und den es nur einmal gibt, hat zur Kühlung drei Lüfter. Warum die Kühlung nicht funktioniert und der Rechner laut Angaben von Icarus-Projektleiter Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz wieder heruntergefahren wurde, ist noch nicht klar.

Jetzt hängt es davon ab, wie schnell sich die Kosmonauten, die in der Regel schon auf Wochen verplant sind, des Bordrechners annehmen. Für die Behebung der Probleme würden Kosmonauten der ISS aber gebraucht, sagte Wolfgang Pitz vom Raumfahrtunternehmen SpaceTech aus Immenstaad am Bodensee. Die Firma ist an Icarus beteiligt und hat unter anderem die Antenne für das Projekt entwickelt und gebaut. Auf der Raumstation gebe es jedoch einen engen Zeitplan für die Kosmonauten. “Wir müssen sehen, wann sie es unterbringen können.”

Für das Nichtfunktionieren kann es viele Gründe geben – beispielsweise könnte es Staub sein, beispielsweise könnte ein Sensor kaputt sein. Ein Austausch der Lüfter ist nach Tagesspiegel-Informationen nicht vorgesehen und wäre wohl auch nicht so ohne Weiteres durch die Kosmonauten möglich. Wann ein erneuter Versuch möglich ist, ist somit nicht klar.

Mini-Sender, große Reichweite

Der Projektstart war bereits mehrfach aufgeschoben worden, zuletzt am Dienstag dieser Woche.

Mit dem weltraumgestützten Beobachtungssystem Icarus wollen Wissenschaftler um Wikelski mehr über das Leben der Tiere auf der Erde herausfinden. Die Forscher rüsten dafür verschiedene Tierarten mit Mini-Sendern aus, die ihre Messdaten an die Antenne auf der ISS schicken. In den nächsten Jahren sollen dafür mehrere Zehntausend Tiere besendert werden. Es gehe unter anderem darum, auf welchen Routen die Tiere wandern, unter welchen Bedingungen sie leben und wie sie am besten geschützt werden können.

Im ersten Moment sei die Verzögerung enttäuschend, sagte Wikelski am Mittwoch. “Ich bin aber trotzdem positiv gestimmt. Der Computer an sich funktioniert. Es gibt zwar Probleme, aber wir wissen, woran sie liegen – und es gibt einen Plan, wie sie behoben werden können.”

An Icarus (International Cooperation for Animal Research Using Space) sind unter anderem auch die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt. Nach Abschluss einer Testphase soll Icarus voraussichtlich im Herbst oder Winter 2019 für Wissenschaftler voll zur Verfügung stehen. (mit dpa)

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