Wissen und Technik

Alk auf Hol, das tut nicht wohl

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Bier auf Wein, das lass sein. Diese Weisheit soll dem Kater wehren. In einem heroischen Experiment in einem westfälischen Partykeller wurde sie jetzt getestet

Bier auf Wein. Es funktioniert!

Viel Wasser trinken vor dem Schlafengehen, Vitamin C., Mineraliendrinks, eingelegte Fische, oder vielleicht gar: Trinken nur in Maßen? Es gibt einen ganzen Katalog von Maßnahmen, die einen Kater verhindern sollen. Einer davon ist besonders attraktiv, denn er schränkt eigentlich kein Gelage wirklich ein. Man soll einfach nur eine bestimmte Reihenfolge der Getränke einhalten. Erst Bier, dann Wein.

Trinklabor

«Bier auf Wein, das lass’ sein. Wein auf Bier, das rat’ ich dir.». Ob es funktioniert, dazu hat fast jede und jeder ihre und seine eher gemischten Erfahrungen. Was bislang fehlte war eine wissenschaftliche Studie dazu. Forscher der Universität Witten/Herdecke haben den Spruch, den es auch in anderen Sprachen gibt, jetzt – soweit bekannt erstmals – überprüft: mit einem feuchtfröhlichen Experiment im Partykeller der Hochschule.

Das Ergebnis: Dem Kater ist es egal, in welcher Reihenfolge man Bier und Wein in sich hineingeschüttet hat. Zu viel Alkohol sei zu viel Alkohol, schreibt das Team im «American Journal of Clinical Nutrition»,

Kater-Skala von 0 bis 7

Bei dem Versuch, den vorher die Ethikkommission der Uni genehmigen musste, teilte Hensels Forscherteam rund 90 Freiwillige im Alter von 19 bis 40 Jahren in drei Gruppen ein. Die Aufgabe war für alle die gleiche: Trinken. Ziel waren 1,1 Promille Alkohol im Blut. Die Menschen der ersten Gruppe tranken zunächst nur Bier, die Probanden aus Gruppe Zwei nur Wein. Wer bei rund 0,5 Promille angelangt war, wechselte auf das jeweils andere Getränk – durchschnittlich nach knapp anderthalb Litern Bier oder vier großen Gläsern Wein. Die Menschen in der dritten Gruppe blieben den ganzen Abend beim gleichen Getränk, entweder Bier oder Wein. An einem zweiten Abend wechselten die Trinker dann die Gruppen.

Nach dem wissenschaftlich kontrollierten Gelage gaben die Teilnehmer noch am Abend an, wie betrunken sie sich auf einer Skala von 1 bis 10 fühlten. Dann mussten sie sich schlafen legen – unter ärztlicher Aufsicht. «Es ist gar nicht so leicht, um ein Uhr nachts eine betrunkene Meute ins Bett zu kriegen», sagt Hensel. Einige wollten lieber weiter feiern, manche mussten sich übergeben.

Am Morgen danach stuften die Trinker acht typische Katersymptome auf einer Skala von 0 bis 7 ein – Durst, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Bauchschmerzen, Herzrasen und Appetitlosigkeit. Aus der Summe dieser Werte ermittelten die Forscher dann für jeden Probanden den «Hangover Score» – also das Ausmaß des Katers.

Je angeschickert desto Kater

Die Auswertung zeigt: Die Reihenfolge der Getränke spielte für den Kater keine Rolle – genauso wenig wie Geschlecht, Gewicht, Trinkgewohnheiten oder körperliche Fitness. Wie schlimm die Folgen des Rausches waren, hing ausschließlich davon ab, wie stark sich jemand am Abend zuvor betrunken fühlte und ob er sich übergeben musste.

Hensel – der eigentlich Kinderarzt ist und inzwischen im englischen Cambridge arbeitet – und seine Mitarbeiter suchten im Blut und Urin der Probanden auch nach Molekülen, deren Konzentration mit dem Katergefühl zusammenhängen könnte. Sie fanden allerdings nichts. In Verdacht stehen bestimmte Glucoronyl-Stoffwechelprodukte. Die wiederum konnten die Forscher aber nicht messen, weil das den Kostenrahmen der Studie gesprengt hätte.

“Das Einzige, was in unserer Studie einen echten Vorhersagewert für das Ausmaß des Katers am nächsten Morgen hatte, war die Selbsteinschätzung, wie betrunken man sich fühlte”, sagte Hensel dem Tagesspiegel.

Das sei dann auch der praktische Tipp, den man geben könne: “Hör darauf, wie du dich fühlst.» Ohnehin, das sei ihm wichtig zu betonen, sei das Ziel seiner Studie nicht eine Antwort auf die Frage “Wie kann ich noch mehr saufen?” gewesen.

Weniger Fusel

Tatsächlich gibt es aber Mittel, die den Kater zumindest weniger schlimm ausfallen lassen können. Denn was ihn auslöst, dazu kennt man wissenschaftlich ein paar Fakten: die Dehydrierung des Körpers und das damit verbundene Ausspülen von Ionen und Molekülen spielen, soweit bekannt, eine wichtige Rolle. “Tatsächlich waren alle unsere Probanden am nächsten Morgen dehydriert”, sagt Hensel. Sie durften nach dem letzten Glas auch alle nur eine bestimmte Menge Wasser “nachtrinken”: sechs Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht.

Genug Wasser, salziges Essen oder ein Mineralgetränk vor dem Zubettgehen können also tatsächlich helfen. Allerdings sollte man sich “davon auch nicht zu viel erwarten, denn Intoxikation ist Intoxikation, und wahrscheinlich spielen eben die giftige Stoffwechselprodukte auch eine große Rolle”, sagt Hensel. Zu denen weiß man allerdings noch nicht viel. Als Mitauslöser dagegen bekannt sind die in Alkoholika in sehr unterschiedlichen Konzentrationen vorkommenden Fuselöle. Weizenbier etwa enthält vergleichsweise viel davon. Eine Studie mit Menschen, Wodka und Bourbon zeigte, dass das Wohlbefinden nach Wodka deutlich besser ausfiel als nach jenen Whiskys, denen Fuselöle als Aromaverstärker sogar extra beigemischt werden.

Chefredakteur des Fachmagazins, in dem die Studie jetzt erschienen ist, war bis vor zwei Wochen übrigens ein gewisser Dr. Dennis Bier. Warum er den Job gerade jetzt aufgegeben hat, ist nicht bekannt. (mit dpa)

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